Gödel, Escher, Bach (2025)
Für Orchester
Komposition:
Aurélien Bello
Symphonische Dichtung nach Douglas R. Hofstadter
Nach 3 Bildern von M.C. Escher und Motiven von J.S. Bach
Dauer: 14 min
Instrumentation:
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
2 Fagotte
4 Hörner
2 Trompeten
3 Posaunen
Schlagzeug (2 Spieler)
Streicher
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Einleitung
Gödel, Escher, Bach – ein Endlos Geflochtenes Band ist von dem gleichnamigen Buch (1980) des US-amerikanischen Wissenschaftlers Douglas R. Hofstadter inspiriert. Dieses Werk verbindet die Musik Johann Sebastian Bachs mit der Kunst Maurits Cornelis Eschers und den logisch-mathematischen Thesen Kurt Gödels. Das Stück wird von Glockenklängen über das Motiv G–E–B eingeleitet, das auch im Buch als musikalisches Motiv behandelt wird. Im ersten Teil entsteht ein endloses Band aus zwölf Themen aus dem Wohltemperierten Klavier I von J. S. Bach. Wie in Eschers Bildern Metamorphosis entwickelt sich jedes Thema – im Sechzehntel-Ostinato – aus dem vorhergehenden. In der Tradition des Concerto grosso wechseln sich die Instrumentengruppen Streicher, Holzbläser und Blechbläser ab.
Der zweite Teil besteht aus Variationen über das Präludium der Partita BWV 1006 für Violine solo. Die ursprüngliche Musik ist monodisch, erzeugt jedoch die Illusion von Dreistimmigkeit. Zunächst sehr statisch, skizzenhaft und pointillistisch, verdichtet sich der musikalische Fluss durch Tempoäquivalenzen zu einem wilden Sog in die Tiefe des Orchesters – zunächst mit Streichersoli, dann mit Bläsersoli –, sodass jede Gruppe, wie in Eschers Bild Zeichnen, aus der anderen entsteht. Eine kurze Überleitung des Vibrafons verbindet das Ostinato der Partita mit dem B–A–C–H-Motiv.
Der dritte Teil setzt sich mit Selbstbezug und Endlichkeit auseinander. Auf der letzten Seite des Kontrapunkts XIX aus der Kunst der Fuge, Bachs letztem und unvollendetem Werk, steht ein handschriftlicher Kommentar seines Sohnes Carl Philipp Emanuel:
„NB: über dieser Fuge, wo der Nahme B–A–C–H im Contrasubject angebracht worden, ist der Verfasser gestorben.“
Hier wollte Bach seinen eigenen Namen in Form eines musikalischen Themas einbinden. Diese Selbstreferenz ist eine anschauliche Illustration von Gödels Unvollständigkeitssätzen, denen zufolge ein formales System sich nicht selbst vollständig beweisen oder widerlegen kann.
Das Ende des Bach’schen Kontrapunkts wird von einer Shepard-Skala (scheinbar unendliche Tonleiter) – aufgebaut aus dem B–A–C–H-Motiv – überflutet und wieder freigelegt. Die Illusion einer unaufhörlich aufsteigenden Bewegung entspricht Eschers Bild Treppenhaus. Am Schluss verbinden sich das B–A–C–H- und das G–E–B-Motiv und verklingen in einer endlosen „seltsamen Schleife“.
Partituransicht



